Beim Latte-Art-Kurs im Mai ist der Groschen gefallen. Ich stand an einer Maschine mit einer richtigen Mühle daneben, drückte einen Shot – und da war sie: diese dichte, stabile Crema, die bei mir zu Hause einfach nie so recht zustande kommen wollte. Zurück in meiner Küche wurde mir klar, woran es liegt. Meine Graef CM 900 kommt an den ganz feinen Mahlgrad, den ein Espresso braucht, kaum heran. Ich hatte den Fehler die ganze Zeit bei mir gesucht – dabei lag er im Mahlwerk.
Also habe ich in den Wochen danach erst mal alles durchprobiert, was der Supermarkt an vorgemahlenem Espressopulver hergibt. Das Ergebnis: solide, aber ohne Wow. Und weil ich es genauer wissen wollte, ist daraus ein kleiner Mühlen-Vergleich geworden – mit vier Geräten, die unterschiedlicher kaum sein könnten. Zwei standen bei mir im Schrank, zwei hat mir mein Nachbar geliehen. In diesem Beitrag erfährst du, welche der vier fein genug für Espresso mahlt, wie sie sich in Lautstärke, Tempo und Sauberkeit schlagen – und mit welcher meine Zuriga am Ende keinen Tropfen mehr durchgelassen hat.

Warum dieser Test – und warum ausgerechnet diese vier Mühlen?
Ehrlicherweise war das kein geplanter Laborvergleich, sondern hat sich so ergeben. Auslöser war der Latte-Art-Kurs und die Erkenntnis, dass mein Setup an einer Stelle klemmt. Dann kam noch etwas dazu: Ich hatte mir bei den Kaffeemachern den Mühlenreiniger „Caffetto Grinder Clean“ bestellt und abgeholt. Damit konnte ich zum ersten Mal überhaupt die Gaggia MDF und die Graef gründlich reinigen – die Gaggia stand vorher gut fünf Jahre ungenutzt im Schrank.
Die anderen beiden kamen über den Gartenzaun, im übertragenen Sinn. Ich hatte mich mit meinem Nachbarn über Espresso unterhalten und ihm erzählt, dass ich eigentlich gar keine vernünftige Mühle habe. Er hatte noch eine DeLonghi KG 79 im Schrank stehen und dazu eine Eureka Mignon Silenzio, die sein Sohn zum Kennenlernen hier gelassen hatte. So kamen vier Geräte zusammen, die man selten im selben Test sieht: eine alte italienische Siebträger-Mühle, meine Alltagsmühle, eine leise Premium-Mühle und ein günstiger Klassiker.
So habe ich getestet
Ich wollte es fair halten, ohne dabei die letzte wissenschaftliche Genauigkeit vorzugaukeln. Der Ablauf war für alle vier gleich:
Zuerst habe ich jede Mühle mit dem Caffetto-Reiniger durchlaufen lassen und danach mit einer Handvoll echter Bohnen „eingemahlen“, damit keine Reinigerreste und kein altes Mehl das Ergebnis verfälschen. Als Testbohne diente durchgängig Lavazza Qualità Rossa aus dem Supermarkt (Mindesthaltbarkeit 10/2027) – bewusst nichts Exotisches, sondern das, was viele zu Hause tatsächlich in der Maschine haben.

Dann zwei Testläufe. Pro Lauf habe ich 4 × 17 Gramm Bohnen abgewogen. Die vier Portionen habe ich zufällig den Mühlen zugeteilt, damit ich mir nichts einbilde. Gemahlen wurde in der Reihenfolge Gaggia, Eureka, Graef, DeLonghi, alle auf der feinsten Einstellung – nur die Eureka lief auf Stufe 3 statt 1, weil sie sonst schlicht zu fein wird (dazu unten mehr).


Warum 17 Gramm? Weil das meine echte Alltagsmenge ist. Für einen großen Cappuccino oder einen Flat White ziehe ich meistens einen doppelten Espresso – dafür brauche ich zwei Portionen. Mehr Kaffeemehl passt bei mir ohnehin nicht sinnvoll in den Siebträger, deshalb ist 17 Gramm der ehrliche Praxiswert und keine willkürliche Laborzahl.
Praxis-Tipp: Wieg deine Bohnen vor dem Mahlen, nicht das fertige Pulver. So verlierst du das Kaffeemehl nicht, das in jeder Mühle im Mahlwerk und im Auslauf hängen bleibt – der sogenannte Totraum. Wie viel das ist, unterscheidet sich je nach Mühle deutlich, wie du gleich siehst.
Die vier Mühlen im Kurzprofil
Bevor es ans Mahlbild geht, hier die nüchternen Daten. Alle Angaben stammen von Hersteller- bzw. Händlerseiten (Stand Juli 2026); Preise schwanken je nach Anbieter, deshalb lohnt sich immer der Blick auf den aktuellen Straßenpreis.
| Merkmal | Gaggia MDF | Graef CM 900 | Eureka Mignon Silenzio | DeLonghi KG 79 |
|---|---|---|---|---|
| Mahlwerk | Scheibenmahlwerk, 55 mm, gehärteter Stahl | Kegelmahlwerk, Edelstahl (langsamlaufend) | Scheibenmahlwerk, 50 mm, gehärteter Stahl | Scheibenmahlwerk (Flachmahlscheiben) |
| Mahlgrad-Stufen | stufenlos | 40 Stufen | stufenlos (mikrometrisch) | 16 Stufen |
| Leistung | 310 W | 128 W | 260 W (1.350 U/min) | 110 W |
| Maße (B×H×T) | 13,5 × 34 × 22,5 cm | 14 × 38,5 × 27,5 cm | 12 × 35 × 18 cm | 13 × 26 × 16 cm |
| Gewicht | 5,6 kg | 2,71 kg | 5,6 kg | 1,5 kg |
| Bohnenbehälter | 250 g | ca. 350 g | 300 g | 120 g |
| Geschwindigkeit (Testfeld) | mittel | am schnellsten | mittel | am langsamsten |
| Lautstärke (Testfeld) | leise | am lautesten | am leisesten | laut |
| Preis (ca., Stand 07/2026) | ca. 150–180 € | ca. 130–160 € | ca. 229 € | ab ca. 45–63 € |
Was direkt auffällt: Preislich und vom Anspruch her liegen fast 200 Euro zwischen der DeLonghi und der Eureka. Und trotzdem – so viel sei vorweggenommen – ist das Mahlbild nicht einfach eine Frage des Preises.
Gaggia MDF – gebaut für die Bar, nicht für die einzelne Tasse

Die Gaggia mahlt schön gleichmäßig und angenehm fein – im Testfeld landet sie bei der Feinheit auf dem zweiten Platz. Man merkt ihr an, wofür sie gebaut ist: für den Dauerbetrieb in kleinen Bars. Du kannst den Behälter füllen und mit dem Dosierkarussell einen Shot nach dem anderen in den Siebträger klacken lassen. Für einzelne Portionen zu Hause ist das eher unpraktisch, denn dabei bleibt ordentlich Mehl zwischen den Mahlscheiben und dem Auslauf liegen. Bei nur 17 Gramm fällt dieser Totraum stärker ins Gewicht als wenn du einen Shot nach dem anderen machst.
VIDEO: Gaggia MDF beim Mahlen von 17 g Lavazza Qualità Rossa
Eureka Mignon Silenzio – die Leise mit dem feinsten Mahlbild

Die Eureka trägt ihren Namen zu Recht: Sie ist mit Abstand die leiseste Mühle im Testfeld. Man wählt zwischen zwei Modi – manuell und zeitgesteuert – und die Ausgabe läuft sauber und kontrolliert direkt in den Siebträger. Kein Gestäube, kein Nachrieseln. Und sie mahlt am feinsten von allen vieren, und zwar so fein, dass ich sie im Test auf Stufe 3 statt auf die feinste Stufe 1 gestellt habe.
Warum? Weil ich auf Stufe 1 einen Fehler gemacht habe, aus dem man lernt: So fein gemahlen und dann getampert, hat meine Zuriga keinen einzigen Tropfen mehr durchgebracht. Der Puck war praktisch dicht. Das ist übrigens ein gutes Zeichen für die Mühle – sie kann feiner, als eine Haushaltsmaschine überhaupt verarbeiten kann. Für Espresso ist das genau die richtige Richtung.
VIDEO: Eureka Mignon Silenzio beim Mahlen – Lautstärke im Vergleich
Graef CM 900 – schnell, kräftig, aber am gröbsten

Meine Alltagsmühle. Die Graef ist die schnellste im Feld und auch die lauteste – groß, kräftig, fertig. Nur: Für Espresso ist sie die gröbste der vier. Genau das ist mein Ausgangsproblem gewesen. Für Filterkaffee, French Press oder AeroPress ist sie prima, für die dichte Espresso-Crema kommt sie an ihre Grenze. Dazu kommt eine kleine Eigenheit: Aus dem Trichter rieselt immer wieder Pulver nach, auch wenn man denkt, sie sei fertig. Den genauen Totraum – wie viel von einer Portion in Gramm oder Prozent in der Mühle hängen bleibt – habe ich nicht gemessen, aber sichtbar ist er.
VIDEO: Graef CM 900 beim Mahlen – Tempo und Nachrieseln aus dem Trichter
DeLonghi KG 79 – der günstige Überraschungskandidat

Die kleine DeLonghi hat es in sich. Sie ist zwar die langsamste im Feld, mahlt aber erstaunlich fein – feiner als Gaggia und Graef, direkt hinter der Eureka. Für ein Gerät ab etwa 45 Euro ist das eine Ansage. Ausgelegt ist sie auf größere Portionen; dann fällt es weniger ins Gewicht, dass viel Pulver in den Ecken des Behälters hängen bleibt. Bei 17 Gramm merkt man es allerdings, und das Handling mit dem aufgesetzten Deckel macht es umständlich, das Mehl sauber in den Siebträger zu bekommen.

Sie erinnert mich stark an die elektrische Kaffeemühle aus den Siebzigern in meinem Elternhaus. Zu Beginn mahlt sie ruhig, gegen Ende heult sie zunehmend lauter und schriller auf. Charmant altmodisch – und für den Einstieg überraschend brauchbar.
VIDEO: DeLonghi KG 79 beim Mahlen – vom ruhigen Start zum schrillen Finale
Das Ergebnis auf einen Blick
Nach zwei Durchläufen lässt sich das ganz gut sortieren. Ich habe die vier Mahlhaufen nebeneinander auf Papier gelegt – da sieht man die Unterschiede mit bloßem Auge.

Feinheit (grob bis am feinsten): Graef, Gaggia, DeLonghi, Eureka
Lautstärke (laut bis leise): Graef, DeLonghi, Gaggia, Eureka
Geschwindigkeit (langsam bis schnell): DeLonghi, Gaggia, Eureka, Graef
Die eigentliche Überraschung für mich: Meine eigene Graef, die im Alltag zuverlässig läuft, ist ausgerechnet beim Espresso-Mahlgrad das Schlusslicht. Und die geliehene DeLonghi für einen Bruchteil des Preises mahlt feiner. Preis und Espresso-Tauglichkeit hängen eben nicht so direkt zusammen, wie man denkt – es kommt auf das Mahlwerk und den Einsatzzweck an.

Mein Fazit
Wenn es dir wie mir um den feinen Espresso-Mahlgrad mit dichter, stabiler Crema geht, führt für mich kein Weg an einer echten Espressomühle vorbei – und im Testfeld ist das die Eureka Mignon Silenzio. Sie mahlt fein genug, arbeitet leise und gibt sauber in den Siebträger aus. Dass meine Zuriga auf ihrer feinsten Stufe keinen Tropfen durchließ, ist kein Minus, sondern zeigt: Hier ist Reserve nach oben.
Die Graef CM 900 bleibt bei mir als Allrounder für Filter und AeroPress im Einsatz, für Espresso ist sie zu grob. Die Gaggia MDF ist ein tolles Stück Technik, aber für einzelne Tassen zu Hause umständlich. Und die DeLonghi KG 79 ist die ehrliche Überraschung für alle, die mit kleinem Budget Richtung Espresso starten wollen.
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Quellenangaben
- Gaggia MDF – technische Daten: https://www.kaffeewiki.de/wiki/Gaggia_MDF
- Graef CM 900 – technische Daten: https://www.graef.de/de/p/kaffeemuehle-cm900/
- Eureka Mignon Silenzio – technische Daten: https://www.kaffeezentrale.de/eureka-espressomuehle-mignon-silenzio-55-16-cr-chrom
- DeLonghi KG 79 – technische Daten: https://www.delonghi.com/de-de/p/kaffeemuhlen-kg79-elektrische-kaffeemuhle/KG79.html
Häufige Fragen zu Espressomühlen
Welche Mühle mahlt fein genug für Espresso?
Von den vier getesteten Mühlen mahlt die Eureka Mignon Silenzio am feinsten, gefolgt von der DeLonghi KG 79. Für Espresso brauchst du ein präzises Scheiben- oder Kegelmahlwerk – reine Filterkaffeemühlen wie die Graef CM 900 kommen an den nötigen feinen Mahlgrad oft nicht heran.
Warum lief bei der feinsten Einstellung kein Espresso mehr durch?
Wenn zu fein gemahlen und dann fest getampert wird, verdichtet sich der Kaffeepuck so stark, dass das Wasser nicht mehr durchkommt. Bei meiner Zuriga war das auf der feinsten Eureka-Stufe der Fall. Die Lösung: eine Stufe gröber mahlen und dich langsam herantasten.
Ist eine teure Espressomühle das Geld wert?
Kommt darauf an, wie oft und wie ernsthaft du Espresso machst. Die günstige DeLonghi mahlt für ihren Preis überraschend fein, ist im Handling aber umständlicher und lauter am Ende. Für täglichen Espresso mit gleichbleibender Qualität lohnt eine dedizierte Espressomühle mit stufenloser Einstellung.
Was ist der Totraum bei einer Kaffeemühle?
Als Totraum bezeichnet man das Kaffeemehl, das nach dem Mahlen im Mahlwerk und im Auslauf hängen bleibt. Bei kleinen Portionen wie 17 Gramm fällt er stärker ins Gewicht. Mühlen, die auf Einzelportionen ausgelegt sind, haben hier meist die Nase vorn.
Wie oft sollte man eine Espressomühle reinigen?
Altes Kaffeeöl wird ranzig und beeinflusst den Geschmack. Ein Mühlenreiniger wie der Caffetto Grinder Clean sollte je nach Nutzung alle paar Wochen zum Einsatz kommen. Bei Mühlen, die lange standen, ist eine Reinigung vor dem ersten Mahlen ohnehin Pflicht.
Welchen Kaffee habe ich für den Test verwendet?
Durchgängig Lavazza Qualità Rossa aus dem Supermarkt, damit das Ergebnis für viele nachvollziehbar bleibt. Bewusst kein Spezialitätenkaffee – es ging um die Mühle, nicht um die Bohne.
Bist du bei einem Hersteller oder Händler und ich soll euer Gerät testen und auf Kaffee-Portal vorstellen, dann kontaktiere mich hier.
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