Seit mehr als zwanzig Jahren mache ich zuhause Kaffee. Seit März 2026 habe ich eine Zuriga Espressomaschine – und trotzdem ist mir der Cappuccino immer wieder missraten. Mal zu wenig Crema, mal Milch mit groben Blasen, mal ein Bezug, der in unter zehn Sekunden durch den Siebträger rauscht. Irgendetwas fehlte. Und deshalb bin ich am 10. Mai 2026 um neun Uhr morgens in die Güterstraße 140 in Basel gefahren – zum Latte Art Kurs für Home Baristas bei den Kaffeemacher:innen.
Was ich mitgenommen habe? Mehr als erwartet. Und eine Erkenntnis, die mich zunächst ernüchtert hat.
Das Haus des Kaffees – ein beeindruckender Ort
Wer die Kaffeemacher:innen das erste Mal besucht, muss erst mal den Hinterhof finden. Hinter der unscheinbaren Fassade an der Güterstraße öffnet sich das „Haus des Kaffees“ – ein Gebäude mit wunderschönen Kaffee-Illustrationen an der Fassade und einem beeindruckenden Fuhrpark an professionellen Gastromaschinen im Inneren.
Wir waren an diesem Morgen fünf Teilnehmer:innen – mit sehr unterschiedlichem Hintergrund. Ein Teilnehmer arbeitete zuhause hauptsächlich mit einem Bialetti-Espresskocher. Eine andere Teilnehmerin hatte ihre brandneue Nurri-Maschine mitgebracht, komplett mit passender Mühle – das Gerät zog sofort die Blicke auf sich. Ich hatte meine Zuriga eingepackt, dazu das mitgelieferte Milchkännchen.
Für alle, die kein eigenes Gerät dabeihaben, standen zwei Zuriga-Maschinen, eine Lelit und eine weitere bereit.
Unser Kursleiter war Andrea Leandro Perin, der Leiter der Akademie bei den Kaffeemacher:innen. Er hat uns souverän und mit spürbarer Erfahrung durch den Vormittag geführt – strukturiert, geduldig, und er blieb keine einzige Frage schuldig.
Zuerst: das Espresso-Rezept
Bevor auch nur ein Tropfen Milch ins Spiel kommt, braucht es einen guten Espresso. Das war die erste klare Botschaft des Kurses – und ich stimme voll zu, auch wenn ich selbst ein überzeugter Cappuccino-Trinker mit Zucker bin. Wer schlechten Espresso mit viel Milch überdeckt, macht keinen guten Cappuccino.
Ein sauberes Espresso-Rezept sieht so aus:
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Kaffeemehl (Input) | 18 g |
| Espresso (Output) | 45 g |
| Verhältnis | 1 : 2,5 |
| Bezugszeit | 25 Sekunden (± 5 Sek.) |
Die erste Überraschung: Man misst den Output nicht in Milliliter, sondern in Gramm. Warum? Weil die Crema das Volumen verfälscht und ein Messbecher unzuverlässiger ist als eine Waage – je nach Cremamenge kann man beim Ablesen deutlich daneben liegen. Wer reproduzierbar arbeiten will, misst Input und Output auf der Waage.
Wir haben mehrere Bezüge geübt und jedes Mal den Mahlgrad angepasst, bis das Wasser in 25 Sekunden gleichmäßig durch den Siebträger geflossen ist. Zu Hause hatte ich das nie hinbekommen – bei mir lief der Bezug immer viel zu schnell durch. Das bedeutet: zu grober Mahlgrad, schlechtere Extraktion, schlechterer Espresso.
Praxis-Tipp: Eine einfache Espressowaage unter dem Siebträger macht einen riesigen Unterschied – und kostet nicht viel.
Milch aufschäumen – und ein erstaunlicher Trick
Wer erwartet, im Kurs sofort mit echter Milch zu üben, wird überrascht. Wir haben zunächst mit Wasser gearbeitet, dem ein paar Tropfen eines speziellen Trainingskonzentrats zugesetzt wurden – die Marke heißt BCB, und das Produkt nennt sich „Concentrated Formula for Barista Training“. Das Ergebnis war verblüffend: Das aufbereitete Wasser ließ sich wie Milch aufschäumen, glänzte seidig und verhielt sich beim Texturieren genauso wie echte Milch.
Der Vorteil liegt auf der Hand: Man kann viel häufiger üben, ohne Milch zu verbrauchen – und vor allem ohne den Druck, echten Espresso darunter gießen zu müssen.
Andrea hat uns erklärt, worauf es beim Aufschäumen ankommt: Zuerst Luft einarbeiten, indem man die Dampflanze knapp unter die Oberfläche hält und aktiv Luft einzieht. Danach die Lanze tiefer positionieren und die Milch erhitzen, ohne neue große Luftblasen zu erzeugen. Das Ziel ist seidiger, glänzender Microfoam – keine grobporige Schaumschicht.
Das klingt einfach. Ist es nicht. Aber nach mehreren Durchgängen habe ich es geschafft – sowohl an meiner Zuriga als auch an einer Lelit mit deutlich mehr Dampfpower.
Das Gießen: Technik braucht Zeit
Für die Gießübungen haben wir nicht Original-Espresso verwendet, sondern aufgebrühten Kaffeesatz. Das erlaubt viele Wiederholungen in kurzer Zeit, ohne wertvolle Bohnen zu opfern. Andrea hat uns Schritt für Schritt gezeigt, wie man zuerst eine weiße Basis in der Tasse anlegt und dann in den Latte-Art-Modus wechselt.
Das Gießen ist das anspruchsvollste Element – das kann ich nach diesem Kurs bestätigen. Es braucht entweder viel Fingerspitzengefühl oder viel Übung. Wahrscheinlich beides. Meine ersten Versuche sahen aus wie ein Klecks. Am Ende des Kurses war zumindest ein Herz erkennbar.
Reinigung und Pflege – massiv unterschätzt
Der letzte Kursteil hat mich am meisten überrascht, weil er etwas betraf, das ich zuhause kaum konsequent gemacht habe: die Pflege der Maschine.
Wir haben gelernt, wie man eine Espressomaschine per Backflushing von Fetten und Kaffeerückständen reinigt. Durch die Mühle wurde eine Portion Cafetto Grinder Clean gejagt – ein Reinigungsmittel auf Getreidebasis, das als feines Pulver in den Biomüll kann.
Das Farbcode-System für Tücher, das Andrea uns gezeigt hat, leuchtet sofort ein:
Schwarzes Tuch → Siebträger von Kaffeemehlresten befreien
Blaues Tuch → Dampflanze nach jedem Einsatz abwischen
Rotes Tuch → Arbeitsfläche sauber halten
Ich werde mir das so angewöhnen.
Ehrlicher Moment: Obwohl wir die Zuriga erst sechs Wochen im Betrieb hatten, war die Brühgruppe schon deutlich verschmutzt. Beim Ausbauen habe ich leider die Befestigungsschraube beschädigt. Der gute Ausgang: Ich habe den Zuriga-Support kontaktiert, und sie haben mir ohne Rückfragen eine Ersatzschraube geschickt – kostenlos und schnell. Grossartiger Service.
Die wichtigste Erkenntnis – und warum sie mich zunächst ernüchtert hat
Weil mir in den Wochen vor dem Kurs keine stabile, dichte Crema gelungen war, habe ich Andrea direkt gefragt. Seine Empfehlung war klar: Ausschließlich Arabica-Bohnen verwenden, dunkel geröstet, 2–3 Wochen nach dem Röstdatum – und nur bei Röstereien kaufen, die das Röstdatum auf die Packung drucken.
Dann habe ich ihm von meiner Graef CM 900 erzählt. Seine Reaktion war eindeutig: Die Kaffeemacher:innen haben die CM 900 getestet und ihr eine schlechte Bewertung gegeben – der Mahlgrad ist für Espresso zu grob, die Partikelverteilung zu uneinheitlich. Damit werde ich nie die Crema bekommen, die ich mir wünsche.
Das war keine angenehme Nachricht. Aber eine ehrliche. Und sie erklärt eine Menge.
Meine Konsequenzen:
1. Ich werde es zunächst mit sehr fein gemahlenen, dunklen Bohnen aus der Packung versuchen
2. Frische, dunkle Arabica-Bohnen ohne Robusta-Anteil von einer Rösterei mit Röstdatum bestellen
3. Mittelfristig auf eine geeignetere Espressomühle sparen
Mein Fazit
Vier Stunden, fünf Teilnehmer:innen, ein sehr kompetenter Kursleiter. Der Latte Art Kurs bei den Kaffeemacher:innen in Basel hat sich gelohnt – nicht weil ich danach ein anderer Mensch wäre, sondern weil ich jetzt verstehe, warum mein Cappuccino bis jetzt nicht konsistent gut geworden ist.
Ich kann Milch aufschäumen. Ich habe ein sauberes Espresso-Rezept. Ich weiß, dass meine Mühle das schwächste Glied in der Kette ist. Und ich habe gelernt, dass Sauberkeit keine Nebensache ist, sondern die Grundlage für guten Kaffee.
Kein einziger Espresso wurde von mir an diesem Morgen getrunken – aber das Wissen, das ich mitgenommen habe, ist mehr wert als jede Tasse.
Übrigens war das mein zweiter Kurs bei den Kaffeemacher:innen. Im Mai 2017 habe ich dort den Home Barista Basiskurs gemacht – und von dem, was ich damals gelernt habe, profitiere ich noch heute.
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Häufige Fragen zum Latte Art Kurs
Was lernt man in einem Latte Art Kurs für Home Baristas?
Du lernst, wie du ein reproduzierbares Espresso-Rezept brühst, Milch richtig aufschäumst und die Grundformen der Latte Art – meist ein Herz oder eine Tulpe – in die Tasse gießt. In guten Kursen gehört auch die Maschinenpflege dazu.
Muss ich eine eigene Maschine mitbringen?
Das hängt vom Anbieter ab. Bei den Kaffeemacher:innen in Basel kann man eine eigene Maschine mitbringen oder die Leihgeräte vor Ort nutzen. Ich habe meine Zuriga mitgenommen – die richtige Entscheidung, weil ich so direkt mit meinem eigenen Equipment gearbeitet habe.
Wie lange dauert ein solcher Kurs?
Kann man Latte Art auch ohne Siebträger lernen?
Für wen lohnt sich ein Latte Art Kurs?
Was kostet ein Latte Art Kurs bei den Kaffeemacher:innen?
Die aktuellen Preise am besten direkt auf der Website der Kaffeemacher:innen prüfen. Der Kurs liegt im dreistelligen Bereich und ist gemessen am Lerneffekt gut investiertes Geld.