Ich werde manchmal gefragt, was ich für Geräte benutze. Die ehrlichste Antwort ist selten die glamouröseste.

Kein frisch ausgepacktes Profi-Setup. Keine Maschine für 3.000 Euro, die aussieht wie aus einem italienischen Café. Stattdessen: eine Mühle, die ich geschenkt bekommen habe, eine bewegte Maschinengeschichte – und eine aktuelle Situation, die mich selbst zum Lachen bringt.

Hier ist also die ungeschminkte Wahrheit.


Die Mühle: Graef CM 900 – ein Geschenk, das geblieben ist

Bevor ich über Maschinen rede, fange ich bei der Mühle an. Das ist kein Zufall.

Wer sich ernsthaft mit Espresso beschäftigt, weiß: Die Mühle entscheidet mindestens genauso viel über das Ergebnis wie die Maschine selbst. Ein gleichmäßig gemahlenes, frisches Kaffeemehl ist die Grundlage für alles – für die Crema (die goldbraune, cremige Schicht auf dem Espresso), für eine saubere Extraktion (also wie das Wasser die Aromen aus dem Kaffeemehl löst) und letztlich für den Geschmack in der Tasse.

Ich nutze die Graef CM 900 seit etwa vier oder fünf Jahren. Geschenkt bekommen – und seitdem nicht mehr weggegeben. Das sagt eigentlich schon viel.

Was mich täglich überzeugt: Die Mühle bietet 30 Mahlstufen, und ich bewege mich für Espresso meistens zwischen Stufe 2 und 10. Je nach Bohne, Röstgrad und – ja, das ist kein Witz – auch je nach Luftfeuchtigkeit kann ich nachjustieren. Für French Press greife ich gelegentlich auf Stufe 15 zurück. Dieser Spielraum ist für eine Mühle in dieser Preisklasse wirklich solide.

Zwei Betriebsmodi stehen zur Wahl. Ich bevorzuge den zeitgesteuerten Modus: Für einen großen Cappuccino lasse ich die Mühle 14 bis 15 Sekunden laufen. Das Ergebnis ist reproduzierbar – und das ist genau das, was du willst, wenn du jeden Morgen denselben guten Kaffee haben möchtest.

Das Mahlwerk selbst ist das eigentliche Argument. Das Kaffeemehl kommt gleichmäßig, die Körnung stimmt. Kein Klumpen, kein Mehlstaub.

Aber: Wenn ich den Siebträgerfuß nach dem Mahlen wieder anschiebe, rieselt jedes Mal ein bisschen Kaffeepulver runter. Kein Drama – aber nach fünf Jahren stört mich das noch immer ein bisschen. Und das freihändige Mahlen direkt in den Siebträger, ohne ihn festzuhalten, habe ich aufgegeben. Ich halte lieber selbst fest.

Insgesamt: Ich würde sie heute wieder nehmen. Oder wieder geschenkt annehmen.

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Die Maschinengeschichte: Von der Dalla Corte Mini zur Oscar II – und dann kam die AeroPress

Jetzt wird es interessant.

Ich habe mit der Dalla Corte Mini angefangen – einer Siebträgermaschine, die eigentlich aus dem professionellen Gastronomiebereich kommt. Irgendwann habe ich sie gegen eine Nuova Simonelli Oscar II getauscht. Auch die Oscar II ist keine gewöhnliche Heimmaschine. Sie wird von vielen Baristas geschätzt, die professionelle Qualität für zuhause wollen, ohne einen ganzen Raum dafür einzuplanen.

Dann kam der Defekt. Reparatur versucht. Hat nichts gebracht.

Maschine außer Betrieb.

Und seitdem?

Seitdem steht auf meinem Küchentisch eine AeroPress.

Ich weiß, was du gerade denkst. Und ja – die AeroPress macht keinen echten Espresso. Kein 9-Bar-Druck, keine Crema, kein Siebträger-Feeling. Aber der Kaffee, den sie produziert, ist konzentriert, rund und ohne Bitterkeit – wenn man weiß, wie man sie einstellt.

Ist es ein Ersatz für einen echten Espresso? Nein.

Ist es eine würdige Übergangslösung? Absolut.

Den Tamper brauche ich übrigens gerade nicht. Den Satz konnte ich mir nicht verkneifen. 😄

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Die Bohnen: Pragmatisch, neugierig, ohne Dogma

Ich variiere gerne. Manchmal kommt etwas aus einer Spezialrösterei, manchmal etwas Solides aus dem Alnatura, manchmal ein Discounter-Fund, der mich überrascht hat.

Kaffee-Dogmatismus liegt mir fern. Gute Bohnen können überall herkommen. Und manchmal ist das beste Ergebnis das, das du mit dem erzielst, was du gerade hast – wenn du weißt, wie du es zubereitest.

Zu den Bohnen schreibe ich bald einen eigenen Artikel. Mit konkreten Empfehlungen aus verschiedenen Preisklassen und ehrlichen Einschätzungen.


Das Wasser: Leitungswasser – und ein Hinweis, den ich früher ignoriert hätte

Ich nutze normales Leitungswasser. In vielen Städten und Regionen ist das für Kaffee völlig in Ordnung.

Wer aber in einem Gebiet mit sehr hartem Wasser lebt, sollte darüber nachdenken. Kalk ist der stille Feind jeder Espressomaschine – er setzt sich in Leitungen und Boilern fest, verändert den Geschmack und verkürzt die Lebensdauer der Maschine. Ein einfacher Wasserfilter kann hier einen echten Unterschied machen.

Auch dazu kommt noch ein eigener Artikel.


Der Milchschäumer: Mio Star aus der Migros

Solange die Zuriga auf sich warten lässt und ich keinen Dampflanze habe, brauche ich eine Alternative für Milchschaum. Die Lösung kam aus der Migros in Basel: der Mio Star Milchschäumer, für rund 50 Franken.

Kein Vergleich mit diesen billigen Handschäumern, die man für fünf Euro bekommt. Der Mio Star arbeitet automatisch – du füllst Milch ein, wählst das Programm, und nach etwa drei Minuten ist der Schaum fertig. Und er hält. Deutlich länger als alles, was ich mit einem Handschäumer hinbekommen habe.

Was mich außerdem überzeugt hat: Er kann nicht nur heißen Schaum – er schäumt auch kalt. Für sommerliche Kaffee-Milch-Getränke ist das prima. Eine Funktion für heiße Schokolade gibt es ebenfalls, die haben wir aber bis heute nicht ausprobiert.

Unsere Gäste sind jedes Mal zufrieden. Der Schäumer war sogar schon mit im Urlaub in der Ferienwohnung – was für sich spricht.

Aber ich muss ehrlich sein, was die Qualität des Schaums betrifft.

Es ist kein „Bauschaum“ – also kein mega-fester Schaum, der wie eine Haube oben auf dem Kaffee sitzt und sich nicht bewegt. Er lässt sich gießen und auch unter die Oberfläche bringen, was für einen Cappuccino eigentlich das Wichtigste ist.

Trotzdem ist er für mich nicht ideal. Der Schaum ist zu luftig – zu leicht. Ich übe seit Monaten täglich, manchmal zweimal am Tag. Latte Art ist mir damit noch nicht gelungen. Wer ernsthaft Latte Art lernen will, braucht eine Dampflanze – daran führt kein Weg vorbei.

Für den Alltag und für Gäste: sehr gut. Für Latte Art: nicht geeignet.

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Mein ehrliches Fazit

Die Mühle läuft seit Jahren zuverlässig. Die Traummaschine fehlt gerade. Und die AeroPress macht ihren Job besser, als ich zugeben möchte.

Das ist mein aktueller Stand. Kein Showroom, sondern meine Küche.

Was ich in den nächsten Monaten plane – neue Siebträgermaschine, Latte-Art-Kurs, Bohnen-Tests – das wirst du hier auf dem Kaffee-Portal miterleben.

Welche Mühle oder Maschine nutzt du gerade? Schreib’s in die Kommentare – mich interessiert das wirklich.


Autor: Michael · Letzte Aktualisierung: März 2025