Traditionelle Kaffeerösterei von 1864 mit alter Röstmaschine im Schaufenster – gewachsene Röstereitradition im deutschsprachigen Raum

Als ich vor einigen Jahren anfing, mich ernsthafter mit Kaffee zu beschäftigen, fiel mir auf: Über Specialty Coffee aus Äthiopien oder Kolumbien weiß ich einiges — aber was ist eigentlich mit den deutschen Marken, die seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten im Regal stehen? Wer steht dahinter, wie lange gibt es sie, und wo haben sie ihre Wurzeln?

Diese Frage hat mich mehr beschäftigt, als ich erwartet hatte. Denn hinter Marken wie Melitta, Dallmayr oder Tchibo stecken oft erstaunlich lange Geschichten — Familienunternehmen, die zwei Weltkriege überstanden haben, regionale Röstereien, die seit Generationen im selben Haus arbeiten, und Handelsmarken, die niemand als „Marke“ wahrnimmt, obwohl sie millionenfach verkauft werden.

Diese Übersicht ist kein Ranking und kein Test. Es ist eine strukturierte Liste — mit Gründungsjahr, Firmensitz und direktem Link zur jeweiligen Website. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber sie ist die umfangreichste, die ich kenne. Falls du eine Marke vermisst: Schreib mir, ich ergänze sie gerne.

Was macht eine Kaffeemarke „deutsch“?

Bevor wir zur Liste kommen, eine kurze Einschränkung: „Deutsche Kaffeemarke“ bedeutet hier, dass die Marke in Deutschland gegründet wurde oder ihren Hauptsitz in Deutschland hat — unabhängig davon, ob sie heute zu einem internationalen Konzern gehört. Jacobs etwa ist heute Teil von JDE Peet’s, trotzdem ist die Marke in Bremen entstanden. Das zählt.

Nicht aufgenommen habe ich Marken ohne nachweisbaren deutschen Ursprung, die nur hierzulande verkauft werden.

Die Übersicht: Alte deutsche Kaffeemarken

Die folgende Tabelle umfasst traditionelle Röstereien, Handelsmarken, Café-Ketten mit Geschichte und regionale Röster — kategorisiert, mit Gründungsjahr und direktem Link.

Marke Gründungsjahr Firmensitz Kategorie Website
Dallmayr 1700 (Rösterei seit 1930) München Traditionelle Rösterei dallmayr.com
Eilles 1873 München Traditionelle Rösterei eilles.de
Jacobs 1895 Bremen Traditionelle Rösterei jacobskaffee.de
Melitta 1908 Minden (gegründet in Dresden) Traditionelle Rösterei melitta.de
Hagenbeck Kaffee (Meyer & Horn) 1912 (Firma), Marke Hagenbeck seit 1968 Kaltenkirchen (b. Hamburg) Regionale Rösterei hagenbeck-kaffee.de
Eduscho 1924 Bremen (heute Marke der Tchibo GmbH, Hamburg) Traditionelle Rösterei eduscho.com
Tchibo 1949 Hamburg Café-Kette / Handelsunternehmen tchibo.de
Schamong 1949 Köln-Ehrenfeld Regionale Rösterei kaffeeroester.de
Dinzler 1950 Irschenberg (Bayern) Regionale Rösterei dinzler.de
Röstfein 1954 (als Marke) Magdeburg Regionale Rösterei roestfein.de

Hinweis: Bei Handelsmarken (Aldi, Lidl, Rewe, Edeka) lässt sich kein einheitliches Gründungsjahr der jeweiligen Kaffeelinie verlässlich belegen — deshalb sind sie hier nicht einzeln mit Datum gelistet.

Traditionelle Röstereien: Die großen Namen mit langer Geschichte

Die bekanntesten deutschen Kaffeemarken sind gleichzeitig die ältesten industriellen Röstereien. Was sie verbindet: Sie haben den Massenmarkt für Röstkaffee in Deutschland überhaupt erst geschaffen.

Melitta (gegründet 1908 in Dresden) ist das beste Beispiel dafür. Was als Erfindung des Papierfilters durch Melitta Bentz begann, ist heute ein Familienunternehmen mit Sitz in Minden — und die Marke ist fester Bestandteil jeder deutschen Küche, die ich je betreten habe. Filter, Maschinen, Kaffeepads: Melitta hat die Art, wie Deutschland Kaffee kocht, maßgeblich mitgeprägt.

Dallmayr aus München gehört in eine andere Kategorie: Delikatessenhaus seit 1700 an der Dienerstraße — die eigene Kaffeerösterei kam erst 1930 dazu. Das ist keine Marketingstory: Das Gebäude steht noch, der Laden auch. Wer je den Dallmayr Prodomo im Regal gesehen hat, kauft dort.

Jacobs ist heute global, aber der Ursprung ist Bremen, 1895. Johann Jacobs eröffnete dort eine Kolonialwarenhandlung. Die Marke gehört längst zu JDE Peet’s, aber der Name und viele Rezepturen kommen aus Deutschland.

Eduscho: die Marke, die verschwand — und zurückkam

Von allen Namen in dieser Liste hat Eduscho die merkwürdigste Geschichte. Und die meisten Leute, die ich darauf anspreche, sagen als Erstes: „Eduscho? Gibt’s die überhaupt noch?“

Die Antwort ist: ja. Aber es hat einen Umweg von 25 Jahren gebraucht.

Der Anfang: ein Nachname als Marke

1924 gründete Eduard Schopf in Bremen sein Kaffeegeschäft. Der Markenname ist schlicht sein eigener, zusammengezogen: EDUard SCHOpf. Was Schopf von den anderen Bremer Kaffeehäusern unterschied, war der Vertriebsweg. Er verkaufte nicht über den Handel, sondern verschickte den Röstkaffee per Post direkt an die Kunden. Ein Versandhandel für Kaffee, in den 1920er Jahren — das war neu.

Nach Schopfs Tod 1935 führte zunächst Bernhard Rothfos die Geschäfte, in den 1950ern übernahm Sohn Rolf Schopf. Die stärksten Jahre kamen in den 1970ern und 80ern: Eduscho-Depots in Bäckereien und kleinen Läden, dazu eigene Filialen. Wer in dieser Zeit in Deutschland eingekauft hat, ist an dem Namen kaum vorbeigekommen. 1996 lag der Marktanteil bei Röstkaffee noch bei 10,6 Prozent.

Das Ende: 11. Dezember 1996

An diesem Tag wurde bekannt, dass die Familie Schopf verkauft — ausgerechnet an Tchibo, den Hamburger Konkurrenten. Zum 1. Januar 1997 war der Deal vollzogen. Der Grund war weniger dramatisch als die Reaktion: hoher Preisdruck, schmale Margen, Verluste in den Jahren davor. In Bremen wurde das als Zäsur empfunden, ein Betriebsrat nannte es später „den Anfang vom Ende“. Es dauerte fünf Jahre, bis die letzten Eduscho-Läden verschwunden oder in Tchibo-Filialen umbenannt waren. Rösterei und Verwaltung in Bremen wurden aufgegeben, aus dem Standort wurde ein Logistikzentrum.

Die Rückkehr: 25. August 2022

Und dann holte Tchibo den Namen zurück. Die Supermarktmarke, die seit Jahrzehnten Gala hieß, heißt seitdem Eduscho — mit zwölf neuen Sorten und neuer Verpackung. Die Begründung von Tchibo selbst: Rückkehr zu den Wurzeln, fast hundert Jahre Tradition als Stärke in unruhigen Zeiten.

Man kann das zynisch sehen: Ein Konzern kauft eine Marke, legt sie still und holt sie zwei Jahrzehnte später als Nostalgie-Etikett zurück. Man kann es aber auch nüchtern sehen — der Name hatte bei einer ganzen Generation mehr Wiedererkennung als „Gala“ je hatte, und den zu verschenken wäre betriebswirtschaftlich unsinnig gewesen.

Und in Österreich?

Dort ist die Geschichte nie unterbrochen worden. Die Eduscho (Austria) GmbH vertreibt bis heute beide Marken, Tchibo und Eduscho, und der Name war dort durchgehend im Regal.

Wenn du also eine Packung Eduscho im Supermarkt siehst: Das ist keine Wiederauflage von jemand anderem und kein Zufall. Das ist ein Name aus Bremen von 1924, der einen ziemlich langen Umweg genommen hat.

Handelsmarken: Kaffee ohne Markenversprechen — mit Marktmacht

Handelsmarken werden oft unterschätzt. Dabei sind sie in Deutschland mengenmäßig für einen erheblichen Teil des verkauften Kaffees verantwortlich. Aldi, Lidl, Rewe und Edeka haben eigene Kaffeelinien, die teilweise von denselben Röstereien produziert werden wie die Markenprodukte — nur ohne das Marketingbudget.

Was das für die Qualität bedeutet: Es kommt auf das jeweilige Produkt an. Ich habe Handelsmarken-Espresso getrunken, der besser war als manche 8-Euro-Packung mit schicker Verpackung. Das Gründungsjahr der Handelskette gibt hier nur den Kontext — die Kaffeelinien selbst sind oft deutlich jünger.

Café-Ketten mit Geschichte: Mehr als Franchise

Nicht alle Kaffeeketten in Deutschland sind jung. Eilles in München etwa geht auf das Jahr 1873 zurück — und ist damit älter als das Deutsche Reich in seiner Bismarckschen Form. Das Unternehmen röstete ursprünglich selbst, heute ist es ein Premium-Kaffeeversand mit langer Familientradition.

Tchibo ist ein Sonderfall: 1949 in Hamburg gegründet als reiner Kaffeeversandhändler, heute ein Hybridunternehmen mit Kaffee, Kleidung und Haushaltswaren. Der Kaffee ist der Ursprung, und die Rösterei läuft bis heute.

Regionale Röstereien: Die stillen Spezialisten

Das sind für mich die interessantesten Einträge in der Liste. Röstereien wie Dinzler am bayerischen Irschenberg oder Röstfein in Magdeburg sind außerhalb ihrer Region kaum bekannt — haben aber teils 60, 80 oder mehr Jahre Erfahrung. Keine Werbekampagnen, keine Influencer, einfach Kaffee rösten. Ein weiteres Beispiel: Die Rösterei Schamong produziert seit 1949 in Köln-Ehrenfeld und gilt als älteste Rösterei der Stadt.

Eine besonders verschlungene Geschichte steckt hinter Hagenbeck Kaffee: Der Name geht auf die Hamburger Kaufmannsfamilie zurück, die auch den Tierpark Hagenbeck gegründet hat — im klassischen Kolonialwarenhandel um die Jahrhundertwende vertrieben sie neben Tee auch eigenen Kaffee. Die Rösterei dahinter ist die Hamburger Firma Max Meyer & Max Horn, gegründet am 1. Oktober 1912 als Lebensmittelgroßhandel; die erste eigene Kaffeeröstung folgte 1923. 1968 übernahm Meyer & Horn die Firma „Hagenbeck’s Ceylon Tee“ samt Rösterei und Kundenstamm und pflegt die Marke seither als Hausmarke weiter. Bis 1985 saß das Unternehmen an der Böckmannstraße nahe dem Hamburger Hauptbahnhof, dann zog man nach Kaltenkirchen nördlich von Hamburg — seit dem 1. Mai 2014 wird dort in der Seebeckstraße 5 auf 5.000 Quadratmetern geröstet.

Als jemand, der seit über 20 Jahren Kaffee trinkt und seit einigen Jahren ernsthafter damit beschäftigt ist, finde ich genau hier die ehrlichsten Produkte. Nicht immer das beste Preis-Leistungs-Verhältnis — aber oft das überzeugendste Handwerk.

Was die Liste nicht leistet — und was sie kann

Diese Übersicht ist kein Qualitätsurteil. Ob Jacobs besser oder schlechter als eine Berliner Mikrorösterei ist, hängt davon ab, was du suchst. Wer morgens schnell einen Filterkaffee möchte, hat andere Anforderungen als jemand, der seinen Espresso auf 92 °C und 9 bar einzustellen weiß.

Was die Liste leistet: einen Überblick, der so in dieser Form im deutschen Web kaum existiert. Wenn du eine Marke recherchierst, ein Unternehmensgeschenk planst oder einfach wissen willst, welche deutschen Röstereien älter als 100 Jahre sind — hier findest du den Einstieg.

Fehlt eine Marke?

Diese Liste wird laufend aktualisiert. Wenn du eine Marke kennst, die hier fehlt — schreib mir über das Kontaktformular oder direkt per E-Mail. Gründungsjahr und Firmensitz bitte mitschicken, dann nehme ich sie auf.

Fazit

Deutsche Kaffeemarken haben mehr Geschichte, als die meisten Kaffeetrinker vermuten. Hinter den bekannten Namen stecken oft Familienunternehmen mit langen Wurzeln — und hinter den unbekannten manchmal die bessere Röstung.

Die Tabelle oben ist der Versuch, das in einer Form zusammenzufassen, die tatsächlich nützlich ist: mit konkreten Daten statt Marketing-Prosa. Wenn du tiefer in einzelne Marken einsteigen möchtest, findest du auf diesem Blog ausführlichere Artikel zu ausgewählten Röstereien und Kaffees.

Häufige Fragen zu deutschen Kaffeemarken

Welche ist die älteste deutsche Kaffeemarke?

Dallmayr in München geht als Delikatessenhaus auf das Jahr 1700 zurück, die eigene Kaffeerösterei kam aber erst 1930 dazu. Als Rösterei im industriellen Sinn ist Melitta (1908) eine der frühen Gründungen.

Gibt es Eduscho noch?

Ja. Tchibo hat Eduscho 1997 übernommen und die Marke in Deutschland zunächst aufgegeben. Seit dem 25. August 2022 heißt die frühere Supermarktmarke Gala wieder Eduscho. In Österreich war der Name durchgehend präsent — dort vertreibt die Eduscho (Austria) GmbH bis heute beide Marken.

Gibt es noch echte deutsche Familienröstereien?

Ja, und mehr als die meisten denken. Melitta, Dallmayr und Tchibo sind zwar groß geworden, aber auch kleine regionale Röstereien wie Dinzler oder Röstfein arbeiten seit Generationen. Die Tabelle oben gibt einen Überblick.

Werden deutsche Kaffeemarken wirklich in Deutschland geröstet?

Nicht alle. Manche Marken lassen in anderen EU-Ländern rösten oder beziehen fertig gerösteten Kaffee. Wer Wert auf deutsche Produktion legt, sollte beim Hersteller nachfragen — oder zu einem regionalen Röster greifen, der das transparent kommuniziert.

Was ist der Unterschied zwischen einer Handelsmarke und einer Rösterei-Marke?

Eine Rösterei-Marke hat eine eigene Rösterei und kontrolliert den Prozess selbst. Eine Handelsmarke (z. B. Aldi-Kaffee) lässt bei Lohnröstereien produzieren. Das sagt nichts über die Qualität aus — aber über die Herkunft und Kontrolle des Produkts.

Warum verlinkt dieser Artikel direkt auf die Websites der Marken?

Weil es die ehrlichste Form der Information ist. Wer mehr über eine Marke wissen möchte, soll direkt zur Quelle gehen — nicht zu einem Affiliate-Shop. Einige der verlinkten Produkte führe ich zusätzlich als Empfehlung, das ist dann entsprechend markiert.

Quellen & weiterführende Links

Das Bild zeigt die Schwarzenbach Kaffee-Rösterei, Münstergasse in Zürich (Schweiz)

Zürich – Rathaus – Schwarzenbach 2010-08-31 15-30-50 ShiftN.jpg

Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0

Traditionelle Kaffeerösterei von 1864 mit alter Röstmaschine im Schaufenster – gewachsene Röstereitradition im deutschsprachigen Raum

Als ich vor einigen Jahren anfing, mich ernsthafter mit Kaffee zu beschäftigen, fiel mir auf: Über Specialty Coffee aus Äthiopien oder Kolumbien weiß ich einiges — aber was ist eigentlich mit den deutschen Marken, die seit Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten im Regal stehen? Wer steht dahinter, wie lange gibt es sie, und wo haben sie ihre Wurzeln?

Diese Frage hat mich mehr beschäftigt, als ich erwartet hatte. Denn hinter Marken wie Melitta, Dallmayr oder Tchibo stecken oft erstaunlich lange Geschichten — Familienunternehmen, die zwei Weltkriege überstanden haben, regionale Röstereien, die seit Generationen im selben Haus arbeiten, und Handelsmarken, die niemand als „Marke“ wahrnimmt, obwohl sie millionenfach verkauft werden.

Diese Übersicht ist kein Ranking und kein Test. Es ist eine strukturierte Liste — mit Gründungsjahr, Firmensitz und direktem Link zur jeweiligen Website. Sie erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, aber sie ist die umfangreichste, die ich kenne. Falls du eine Marke vermisst: Schreib mir, ich ergänze sie gerne.

Was macht eine Kaffeemarke „deutsch“?

Bevor wir zur Liste kommen, eine kurze Einschränkung: „Deutsche Kaffeemarke“ bedeutet hier, dass die Marke in Deutschland gegründet wurde oder ihren Hauptsitz in Deutschland hat — unabhängig davon, ob sie heute zu einem internationalen Konzern gehört. Jacobs etwa ist heute Teil von JDE Peet’s, trotzdem ist die Marke in Bremen entstanden. Das zählt.

Nicht aufgenommen habe ich Marken ohne nachweisbaren deutschen Ursprung, die nur hierzulande verkauft werden.

Die Übersicht: Alte deutsche Kaffeemarken

Die folgende Tabelle umfasst traditionelle Röstereien, Handelsmarken, Café-Ketten mit Geschichte und regionale Röster — kategorisiert, mit Gründungsjahr und direktem Link.

Marke Gründungsjahr Firmensitz Kategorie Website
Dallmayr 1700 (Rösterei seit 1930) München Traditionelle Rösterei dallmayr.com
Eilles 1873 München Traditionelle Rösterei eilles.de
Jacobs 1895 Bremen Traditionelle Rösterei jacobskaffee.de
Melitta 1908 Minden (gegründet in Dresden) Traditionelle Rösterei melitta.de
Hagenbeck Kaffee (Meyer & Horn) 1912 (Firma), Marke Hagenbeck seit 1968 Kaltenkirchen (b. Hamburg) Regionale Rösterei hagenbeck-kaffee.de
Eduscho 1924 Bremen (heute Marke der Tchibo GmbH, Hamburg) Traditionelle Rösterei eduscho.com
Tchibo 1949 Hamburg Café-Kette / Handelsunternehmen tchibo.de
Schamong 1949 Köln-Ehrenfeld Regionale Rösterei kaffeeroester.de
Dinzler 1950 Irschenberg (Bayern) Regionale Rösterei dinzler.de
Röstfein 1954 (als Marke) Magdeburg Regionale Rösterei roestfein.de

Hinweis: Bei Handelsmarken (Aldi, Lidl, Rewe, Edeka) lässt sich kein einheitliches Gründungsjahr der jeweiligen Kaffeelinie verlässlich belegen — deshalb sind sie hier nicht einzeln mit Datum gelistet.

Traditionelle Röstereien: Die großen Namen mit langer Geschichte

Die bekanntesten deutschen Kaffeemarken sind gleichzeitig die ältesten industriellen Röstereien. Was sie verbindet: Sie haben den Massenmarkt für Röstkaffee in Deutschland überhaupt erst geschaffen.

Melitta (gegründet 1908 in Dresden) ist das beste Beispiel dafür. Was als Erfindung des Papierfilters durch Melitta Bentz begann, ist heute ein Familienunternehmen mit Sitz in Minden — und die Marke ist fester Bestandteil jeder deutschen Küche, die ich je betreten habe. Filter, Maschinen, Kaffeepads: Melitta hat die Art, wie Deutschland Kaffee kocht, maßgeblich mitgeprägt.

Dallmayr aus München gehört in eine andere Kategorie: Delikatessenhaus seit 1700 an der Dienerstraße — die eigene Kaffeerösterei kam erst 1930 dazu. Das ist keine Marketingstory: Das Gebäude steht noch, der Laden auch. Wer je den Dallmayr Prodomo im Regal gesehen hat, kauft dort.

Jacobs ist heute global, aber der Ursprung ist Bremen, 1895. Johann Jacobs eröffnete dort eine Kolonialwarenhandlung. Die Marke gehört längst zu JDE Peet’s, aber der Name und viele Rezepturen kommen aus Deutschland.

Eduscho: die Marke, die verschwand — und zurückkam

Von allen Namen in dieser Liste hat Eduscho die merkwürdigste Geschichte. Und die meisten Leute, die ich darauf anspreche, sagen als Erstes: „Eduscho? Gibt’s die überhaupt noch?“

Die Antwort ist: ja. Aber es hat einen Umweg von 25 Jahren gebraucht.

Der Anfang: ein Nachname als Marke

1924 gründete Eduard Schopf in Bremen sein Kaffeegeschäft. Der Markenname ist schlicht sein eigener, zusammengezogen: EDUard SCHOpf. Was Schopf von den anderen Bremer Kaffeehäusern unterschied, war der Vertriebsweg. Er verkaufte nicht über den Handel, sondern verschickte den Röstkaffee per Post direkt an die Kunden. Ein Versandhandel für Kaffee, in den 1920er Jahren — das war neu.

Nach Schopfs Tod 1935 führte zunächst Bernhard Rothfos die Geschäfte, in den 1950ern übernahm Sohn Rolf Schopf. Die stärksten Jahre kamen in den 1970ern und 80ern: Eduscho-Depots in Bäckereien und kleinen Läden, dazu eigene Filialen. Wer in dieser Zeit in Deutschland eingekauft hat, ist an dem Namen kaum vorbeigekommen. 1996 lag der Marktanteil bei Röstkaffee noch bei 10,6 Prozent.

Das Ende: 11. Dezember 1996

An diesem Tag wurde bekannt, dass die Familie Schopf verkauft — ausgerechnet an Tchibo, den Hamburger Konkurrenten. Zum 1. Januar 1997 war der Deal vollzogen. Der Grund war weniger dramatisch als die Reaktion: hoher Preisdruck, schmale Margen, Verluste in den Jahren davor. In Bremen wurde das als Zäsur empfunden, ein Betriebsrat nannte es später „den Anfang vom Ende“. Es dauerte fünf Jahre, bis die letzten Eduscho-Läden verschwunden oder in Tchibo-Filialen umbenannt waren. Rösterei und Verwaltung in Bremen wurden aufgegeben, aus dem Standort wurde ein Logistikzentrum.

Die Rückkehr: 25. August 2022

Und dann holte Tchibo den Namen zurück. Die Supermarktmarke, die seit Jahrzehnten Gala hieß, heißt seitdem Eduscho — mit zwölf neuen Sorten und neuer Verpackung. Die Begründung von Tchibo selbst: Rückkehr zu den Wurzeln, fast hundert Jahre Tradition als Stärke in unruhigen Zeiten.

Man kann das zynisch sehen: Ein Konzern kauft eine Marke, legt sie still und holt sie zwei Jahrzehnte später als Nostalgie-Etikett zurück. Man kann es aber auch nüchtern sehen — der Name hatte bei einer ganzen Generation mehr Wiedererkennung als „Gala“ je hatte, und den zu verschenken wäre betriebswirtschaftlich unsinnig gewesen.

Und in Österreich?

Dort ist die Geschichte nie unterbrochen worden. Die Eduscho (Austria) GmbH vertreibt bis heute beide Marken, Tchibo und Eduscho, und der Name war dort durchgehend im Regal.

Wenn du also eine Packung Eduscho im Supermarkt siehst: Das ist keine Wiederauflage von jemand anderem und kein Zufall. Das ist ein Name aus Bremen von 1924, der einen ziemlich langen Umweg genommen hat.

Handelsmarken: Kaffee ohne Markenversprechen — mit Marktmacht

Handelsmarken werden oft unterschätzt. Dabei sind sie in Deutschland mengenmäßig für einen erheblichen Teil des verkauften Kaffees verantwortlich. Aldi, Lidl, Rewe und Edeka haben eigene Kaffeelinien, die teilweise von denselben Röstereien produziert werden wie die Markenprodukte — nur ohne das Marketingbudget.

Was das für die Qualität bedeutet: Es kommt auf das jeweilige Produkt an. Ich habe Handelsmarken-Espresso getrunken, der besser war als manche 8-Euro-Packung mit schicker Verpackung. Das Gründungsjahr der Handelskette gibt hier nur den Kontext — die Kaffeelinien selbst sind oft deutlich jünger.

Café-Ketten mit Geschichte: Mehr als Franchise

Nicht alle Kaffeeketten in Deutschland sind jung. Eilles in München etwa geht auf das Jahr 1873 zurück — und ist damit älter als das Deutsche Reich in seiner Bismarckschen Form. Das Unternehmen röstete ursprünglich selbst, heute ist es ein Premium-Kaffeeversand mit langer Familientradition.

Tchibo ist ein Sonderfall: 1949 in Hamburg gegründet als reiner Kaffeeversandhändler, heute ein Hybridunternehmen mit Kaffee, Kleidung und Haushaltswaren. Der Kaffee ist der Ursprung, und die Rösterei läuft bis heute.

Regionale Röstereien: Die stillen Spezialisten

Das sind für mich die interessantesten Einträge in der Liste. Röstereien wie Dinzler am bayerischen Irschenberg oder Röstfein in Magdeburg sind außerhalb ihrer Region kaum bekannt — haben aber teils 60, 80 oder mehr Jahre Erfahrung. Keine Werbekampagnen, keine Influencer, einfach Kaffee rösten. Ein weiteres Beispiel: Die Rösterei Schamong produziert seit 1949 in Köln-Ehrenfeld und gilt als älteste Rösterei der Stadt.

Eine besonders verschlungene Geschichte steckt hinter Hagenbeck Kaffee: Der Name geht auf die Hamburger Kaufmannsfamilie zurück, die auch den Tierpark Hagenbeck gegründet hat — im klassischen Kolonialwarenhandel um die Jahrhundertwende vertrieben sie neben Tee auch eigenen Kaffee. Die Rösterei dahinter ist die Hamburger Firma Max Meyer & Max Horn, gegründet am 1. Oktober 1912 als Lebensmittelgroßhandel; die erste eigene Kaffeeröstung folgte 1923. 1968 übernahm Meyer & Horn die Firma „Hagenbeck’s Ceylon Tee“ samt Rösterei und Kundenstamm und pflegt die Marke seither als Hausmarke weiter. Bis 1985 saß das Unternehmen an der Böckmannstraße nahe dem Hamburger Hauptbahnhof, dann zog man nach Kaltenkirchen nördlich von Hamburg — seit dem 1. Mai 2014 wird dort in der Seebeckstraße 5 auf 5.000 Quadratmetern geröstet.

Als jemand, der seit über 20 Jahren Kaffee trinkt und seit einigen Jahren ernsthafter damit beschäftigt ist, finde ich genau hier die ehrlichsten Produkte. Nicht immer das beste Preis-Leistungs-Verhältnis — aber oft das überzeugendste Handwerk.

Was die Liste nicht leistet — und was sie kann

Diese Übersicht ist kein Qualitätsurteil. Ob Jacobs besser oder schlechter als eine Berliner Mikrorösterei ist, hängt davon ab, was du suchst. Wer morgens schnell einen Filterkaffee möchte, hat andere Anforderungen als jemand, der seinen Espresso auf 92 °C und 9 bar einzustellen weiß.

Was die Liste leistet: einen Überblick, der so in dieser Form im deutschen Web kaum existiert. Wenn du eine Marke recherchierst, ein Unternehmensgeschenk planst oder einfach wissen willst, welche deutschen Röstereien älter als 100 Jahre sind — hier findest du den Einstieg.

Fehlt eine Marke?

Diese Liste wird laufend aktualisiert. Wenn du eine Marke kennst, die hier fehlt — schreib mir über das Kontaktformular oder direkt per E-Mail. Gründungsjahr und Firmensitz bitte mitschicken, dann nehme ich sie auf.

Fazit

Deutsche Kaffeemarken haben mehr Geschichte, als die meisten Kaffeetrinker vermuten. Hinter den bekannten Namen stecken oft Familienunternehmen mit langen Wurzeln — und hinter den unbekannten manchmal die bessere Röstung.

Die Tabelle oben ist der Versuch, das in einer Form zusammenzufassen, die tatsächlich nützlich ist: mit konkreten Daten statt Marketing-Prosa. Wenn du tiefer in einzelne Marken einsteigen möchtest, findest du auf diesem Blog ausführlichere Artikel zu ausgewählten Röstereien und Kaffees.

Häufige Fragen zu deutschen Kaffeemarken

Welche ist die älteste deutsche Kaffeemarke?

Dallmayr in München geht als Delikatessenhaus auf das Jahr 1700 zurück, die eigene Kaffeerösterei kam aber erst 1930 dazu. Als Rösterei im industriellen Sinn ist Melitta (1908) eine der frühen Gründungen.

Gibt es Eduscho noch?

Ja. Tchibo hat Eduscho 1997 übernommen und die Marke in Deutschland zunächst aufgegeben. Seit dem 25. August 2022 heißt die frühere Supermarktmarke Gala wieder Eduscho. In Österreich war der Name durchgehend präsent — dort vertreibt die Eduscho (Austria) GmbH bis heute beide Marken.

Gibt es noch echte deutsche Familienröstereien?

Ja, und mehr als die meisten denken. Melitta, Dallmayr und Tchibo sind zwar groß geworden, aber auch kleine regionale Röstereien wie Dinzler oder Röstfein arbeiten seit Generationen. Die Tabelle oben gibt einen Überblick.

Werden deutsche Kaffeemarken wirklich in Deutschland geröstet?

Nicht alle. Manche Marken lassen in anderen EU-Ländern rösten oder beziehen fertig gerösteten Kaffee. Wer Wert auf deutsche Produktion legt, sollte beim Hersteller nachfragen — oder zu einem regionalen Röster greifen, der das transparent kommuniziert.

Was ist der Unterschied zwischen einer Handelsmarke und einer Rösterei-Marke?

Eine Rösterei-Marke hat eine eigene Rösterei und kontrolliert den Prozess selbst. Eine Handelsmarke (z. B. Aldi-Kaffee) lässt bei Lohnröstereien produzieren. Das sagt nichts über die Qualität aus — aber über die Herkunft und Kontrolle des Produkts.

Warum verlinkt dieser Artikel direkt auf die Websites der Marken?

Weil es die ehrlichste Form der Information ist. Wer mehr über eine Marke wissen möchte, soll direkt zur Quelle gehen — nicht zu einem Affiliate-Shop. Einige der verlinkten Produkte führe ich zusätzlich als Empfehlung, das ist dann entsprechend markiert.

Quellen & weiterführende Links

Das Bild zeigt die Schwarzenbach Kaffee-Rösterei, Münstergasse in Zürich (Schweiz)

Zürich – Rathaus – Schwarzenbach 2010-08-31 15-30-50 ShiftN.jpg

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